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" Wir sind eine Familie" - Familienbildung in der JH Forbach




"Wir sind eine Familie " - drei Stärke-Tage

 „Wir sind eine Familie“ - die Familienbildungs(frei)zeit für Patchworkfamilien, Alleinerziehende, Pflegeeltern und andere (außer-) gewöhnliche Familien im Schwarzwald 

 

 
Regen. In all den Jahren, in denen wir die Familienbildungsfreizeit im Schwarzwald durchführten, gab es immer nur herrliches Sommerwetter. Jetzt laufen 15 Kinder in Gummistiefeln und 15 Erwachsene mit Regenschirmen hintereinander durch den Schwarzwald und sehen statt Ziegen, Wiesen und Berge nur dunkle Wolken. Sollen wir lieber umkehren? Noch fast drei Stunden Weg und einige Anstiege warten auf uns und die Kinder. Nach kurzer Beratung entscheiden die Eltern: Wir laufen weiter.
Nachmittags treffen wir uns zur Elternrunde. Alle haben wieder warme Füße, loben das gute Mittagessen und die Ruhe danach. Die Kinder werden nun in der Kinderbetreuung gut betreut von Ute Dörr-Hettler und Elvira Schindler-Schmidt, die Erwachsenen sitzen in der Runde im hellen Gruppenraum. In den nächsten zwei Stunden geht es um die Frage: Was heißt Erziehung? Warum ist das oft so schwer? Wann erziehen wir überhaupt unsere Kinder? Alle sind sich einig: Elternschaft ist eine große Herausforderung. Wir gönnen uns zum Einstieg in dieses Thema eine kurze Entspannungsübung, die auch gut für den Alltag geeignet ist, wenn es mal wieder rund geht in der Familie. Ingrid Bethge und Gabriele Laube, die die inhaltliche Durchführung dieser Bildungsfreizeit verantworten, stellen danach das Modell der „Positiven Erziehung“ vor. Wie ein Dreieck kann man sich die Grundelemente der Erziehung vorstellen. Die Basis dieses Dreiecks, also den Sockel, beschreibt die elterliche Vorbildfunktion. Kinder nehmen die Aktionen und Reaktionen und die dazugehörenden Gefühle ihrer Eltern wahr und benutzen sie als Modell für eigene Erfahrungen. Dabei ist die Art der Beziehung zwischen Eltern und Kindern von entscheidender Bedeutung, denn sie bestimmt, wieweit ein Kind den sicheren Hafen verlassen kann, um etwas auszuprobieren und wie schnell es dahin zurück kann, wenn eine Situation zu schwierig wird. Die Spitze im Erziehungsdreieck bilden die Worte; sie können dann am besten wirken, wenn Eltern und Kinder aufmerksam sind und es eine gute und zugewandte Grundstimmung gibt. 
Und wie war das heute morgen bei der Wanderung? War das auch Erziehung? Wir schauen uns dieses Erlebnis gemeinsam an: Die Eltern haben die Kinder durch eine schwierige Aufgabe geführt. Sie haben ihre eigenen Bedürfnisse zurückgestellt, sich dem Tempo der Kinder angepasst und kleine Erfolge positiv bestätigt. Sie haben Zwischenziele gesetzt, haben Unterstützung geboten, wenn sie gebraucht wurde und haben sich gegenseitig geholfen. So konnten es alle bis ans Ziel schaffen. 
Auch manch erstaunliche Erfahrungen konnten auf der Wanderung gemacht werden und werden nun ausgetauscht. Bespielsweise, wie andere Erwachsene mit typischen Alltagssituationen umgehen. Laura, 5 Jahre, will nicht mehr weiterlaufen. Hans, mit seinen 25 Jahren der Jüngste im Betreuerteam, sagt: „Laura, wollen wir uns hier eine Hütte bauen und übernachten?“ Laura überlegt kurz, schüttelt dann den Kopf und läuft tapfer weiter. Lauras Mutter ist immer noch beeindruckt und mit Recht stolz auf ihre kleine Tochter.
Sicherheit in der Erziehung gewinnen, das wäre der Wunsch der Eltern. Doch das ist schwierig, gerade wenn die Entwicklung der Kinder so schnell voranschreitet und man als Eltern hier Schritt halten muss. Zum Beispiel heute vormittag, als schon die Kleinen auf den großen Felsbrocken geklettert sind. Miriam Geib, unsere Erlebnispädagogin und Hans haben die Kinder gesichert, doch die wahre Herausforderung lag bei den Eltern. Alleine hätten sie den Kindern das Hochklettern nicht erlaubt - jetzt sind alle überrascht, wie gut die Kinder das konnten und wie stolz sie von oben ihren Eltern gewinkt haben.
Wir tragen zusammen, was den Eltern Freude bereitet bei ihren Kindern. Hilfsbereit, sozial, selbstständig, fürsorglich sind die Kinder - ganz viel fällt den Müttern und Vätern dieser Runde dazu ein. Dass Führen und Leiten zu den elterlichen Erziehungsaufgaben gehören, ist jedem klargeworden. Aber wie es sich anfühlt, sich mit geschlossenen Augen führen zu lassen oder jemanden zu führen, das ist eine neue Erfahrung. Mut, Vertrauen, Sicherheit, aber auch Entlastung, Zuversicht  und Freiheit sind Begriffe, die jetzt genannt werden. Und noch einmal das Tempo:  Wir müssen uns abstimmen und auch warten lernen. Genau wie mit den Kindern.
Noch viele weitere schöne Momente bei dieser Familienbildungsfreizeit stärken Eltern und Kinder. Große und Kleine steigen durch eine Schlinge, ohne dass sich die Hände voneinander lösen, Mütter und Kinder lernen häkeln und kämpfen mit der Anfangsmasche und jede Familie stellt ein gemeinsam gemaltes Bild mit den schönsten Erlebnissen dieses Wochenendes vor. Und was konnte man auf allen Bildern sehen? Natürlich dicke Wolken und viele Regentropfen.  Doch am Ziel der Wanderung wartete ein großer Spielplatz auf uns. Und dort hatte der Himmel ein Einsehen und schickte für eine halbe Stunde warme Sonnenstrahlen. Und die überstrahlten den Regen.